Faszination Dummyarbeit
Heute kann man unter den verschiedensten Beschäftigungmöglichkeiten für sich und seinen Hund wählen. Warum soll es also nun genau Dummyarbeit sein? Diese Frage kann ich natürlich nur aus meiner Sicht beantworten. Ich kenne viele Menschen, die mit ihrem Hund viele unterschiedliche Dinge tun und eines davon ist auch Dummytraining. Bei mir war das nur ganz kurz so. Agility, Rally Obedience und Co. wurden recht schnell uninteressant, angesichts der mannigfaltigen Möglichkeiten und der anspruchsvollen Komplexität, die das Training im Dummybereich zu bieten hat, ....und weil ich einfach sehr talentierte und motivierte Hunde habe, die einfach dafür brennen. ;-) Ein Hund, mit dem man intensiv an den einzelnen Aspekten dieser “Sportart” arbeitet, wird so vielseitig ausgebildet, wie in keinem anderen Zweig des Hundesports. Er lernt, sich sehr gut zu beherrschen, weil sein Mensch von Anfang an auf die nötige Ruhe und Impulskontrolle achtet (Steadyness). Er bekommt eine sehr gute Basisausbildung, denn zum Beispiel, ohne ein sicheres Fußlaufen oder ruhiges Sitzen unter teilweise extremer Ablenkung ist an ein sinnvolles Training am Dummy nicht zu denken. Sein Gehorsam wird sehr gefördert und gefordert, da er sich auch in den verlockensten Situationen mit Pfeif-, Sicht- und Wortsignalen stoppen, dirigieren, zum Suchen auffordern und zurückrufen lassen muss (Einweisen). Er darf aber dennoch auch sehr selbsständig arbeiten und lernt in bestimmten Aufgabenstellungen vollkommen ohne die Hilfe seines Menschen zum Ziel zu kommen (Freiverlorenensuche). Er trainiert seine Gedächtnisleistung und seinen Orientierungssinn, wobei es immer wieder erstaunlich ist, zu was für Leistungen er hier im Stande ist (Markierungen).
Und wenn der Hund dies alles bis zu einem gewissen Punkt gelernt hat, geht der Spaß erst richtig los, indem man die drei Grundfertigkeiten in immer neuen Kombinationen miteinander zu tollen Aufgaben verbindet. Der Phantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt und schon allein verändertes Gelände, andere Witterungsverhältnisse, stärker oder schwächer ausgeprägte Wildgerüche und andere Ablenkungen können eine Übung in ihrem Schweregrad deutlich verändern. Langeweile dürfte ein Hundeleben lang kein Thema sein, wenn man über ein paar Ideen und abwechslungsreiches Gelände verfügt. Man lernt seinen kkkHund immer besser einzuschätzen ...vor allem lernt man überhaupt sehr viel über Hunde, wie sie arbeiten, zu was für Leistungen sie fähig sind und wo ihre Grenzen liegen. Zuzuschauen, wie meine junge Spanielhündin von ganz alleine weiß, wie man den Wind nutzen muss, um in einer Suche Erfolg zu haben, wie sie eifrig und scheinbar unermüdlich ihre Bögen läuft und sich an das Dummy, das sie nicht sehen, aber riechen kann, heranarbeitet ...das ist einfach nur faszinierend und für sie und mich gleichermaßen  befriedigend. Es ist nicht nur der Stolz in ihren Augen, wenn sie das Dummy, um das sie vielleicht ganz schön kämpfen musste, bei mir abliefert! Es ist die Zufriedenheit, dass sie etwas tun kann, wofür sie als (Jagd)Hund gemacht ist! Wir haben mit der Dummyarbeit die Möglichkeit, unseren Hunden etwas zu geben, wofür sie jahrhundertelang gezüchtet wurden. Sich mit seinem Menschen frei im Gelände zu bewegen, die Nase einzusetzen, einen Auftrag  zu haben, “Beute” zu machen und diese beim Menschen abzuliefern.... nicht allen Hunden, aber doch vielen ist das nach wie vor ein Bedürfnis, dem wir mit gut durchdachtem und sorgfältig aufgebautem Dummytraining gerecht werden können.
Die Krönung ist dann nachher das gemeinsame Arbeiten in der Gruppe, der sogenannten Line, in der jeder Hund eine eigene Aufgabe bekommt und geduldig auf seinen Start wartet und den anderen Hunden beim Arbeiten zuschaut bis er selbst an der Reihe ist. Das stellt das bisherige Training, die Fähigkeit der Selbstbeherrschung und das genaue Annehmen und Befolgen von Signalen auf die Probe ...und man ist zurecht sehr stolz, wenn der Hund sich gut schlägt und seinen Job macht! Ich habe in den letzten Jahren so viele interessante, sympatische und sehr hundeerfahrene Leute kennengelernt, die mit mir diese Leidenschaft teilen, so dass ich sagen kann, dass nicht nur auf der Trainer-, sondern auch auf der sozialen Ebene so einiges zu erobern ist, wenn man sich intensiv auf die Dummyarbeit einläßt. Und für Menschen, die auch gerne auf Wettbewerben ihre Fähigkeiten als Team unter Beweis stellen wollen, gibt es das ganze Jahr hindurch verschiedene, nach Leistungsklassen eingeteilte Veranstaltungen. Auch für Hunde, die nicht die nötigen Papiere für offizielle Workingtests der Retriever-Clubs haben, finden sich heutzutage in ganz Deutschland immer wieder Möglichkeiten, auf Prüfungen und Arbeitstests zu starten. Denn auch, wenn die Retriever natürlich schwerpunktmäßig für diese Aufgaben gezüchtet wurden, so beweisen doch viele Mischlinge und Hunde anderer Rassen, dass sie im Dummybereich tolle Leistungen erreichen können! Und ich freue mich über jeden, der dies auch nach außen hin, z.B. in einem Blind Date des BHV, zeigt. :-)
Foto: Sabrina Wobith